Jochen Gerken - Journalist - Autor - Realisator

Jetzt das Fachbuch: "...und bitte!" - Erfolgreich drehen. Ein Handbuch für Realisatoren, Regisseure und VJs.

                                          

Auszug:

Realisator – wattisndette?

Vor einigen Jahren, als es noch House-Warming-Partys gab und Tomaten mit Mozzarella sowie Ciabatta unglaublich hip waren, unterhielt ich mich mit einer hyperaktiven Sportstudentin, die sich selbst so toll fand, dass sie es offenbar ärgerlich fand, dass ich kein Spiegel war. Die Unterhaltung drehte sich primär um ihre unglaublichen sportlichen Leistungen und das unfassbar anspruchsvolle Studium. Doch nach einem halbstündigen Monolog fragte sie überraschenderweise: „Und, was machst du so?“. Ich sagte ihr, dass ich Realisator sei. „Puh,“ meinte sie, „ganz schön gefährlich, oder?“

Ganz unrecht hatte sie nicht. Dreharbeiten in afrikanischen Ghettos, wo sich nicht einmal Rambo hineintrauen würde, weil dort bewaffnete Gangs die Herrschaft übernommen haben; bei Neonazis, bei Asozialen, bei Bankern; dazu die beständige Gefahr, an Malaria, Dengue, Gelbfieber oder gar einer Erkältung zu erkranken. Außerdem lauern überall Lampenstative, die umfallen können und Honorare, die ausfallen können. Ist schon ein harter Job. Im Duden steht übrigens zur Definition des Realisators: „Hersteller, Autor, Regisseur eines Films oder einer Fernsehsendung.“ Genauer: Du als Realisator bist der kreative Vermittler zwischen einer auftraggebenden Filmproduktionsfirma und den ausführenden Gewerken von Kamera, Ton, Moderation, Cutter und Sprecher.

Wenn du Realisator werden willst oder es bereits bist und dazulernen möchtest, brauchst du dieses Buch so dringend wie mein Übersetzer eine Toilette, als wir vor einem einstündigen Interview in einer abgelegenen Berghütte Kenias standen und es leider nur einen hellhörigen, versifften Bretterverschlag als Klo gab, der Druck auf seinen Schließmuskel aber ständig zunahm – das sind die wahren Probleme vor Ort, und auch die muss man lösen können! Dafür und für den Beruf des Realisators kannst du keine konkrete Ausbildung machen, deshalb ist es umso wichtiger, von den Erfahrungen anderer zu profitieren. Nach der Lektüre dieses bescheidenen Breviers solltest du immerhin so weit sein, dass du nicht auf Anfrage des Kameramanns am Set losrennst und den Koffer mit den Farbbalken im Teamwagen suchst...